Ein ganz normaler Tag 7

So, da das auch schon öfter gewünscht wurde und ich mich jetzt auch richtig eingelebt habe, es also einen Alltag gibt, hier heute mal so ein typischer Tagesablauf, logischerweise unter der Woche, am Wochenende gibt es hier kein „normal“.

Ein Tag im Leben eines…Timo

… beginnt, wie jeder Tag eigentlich, mit dem Aufstehen.
Meistens um sechs Uhr morgens. Naja fast. Eine halbe Stunde verschlafen, dann unter die Dusche, aber nur für maximal 2 Minuten, da das Wasser so kalt ist, dass ich mich wundere, dass keine Eiswürfel aus dem Duschkopf fallen.
Schnell und viel zu eilig in die Schuluniform, also ein kratziges Polo-Shirt und eine schwarze Hose geschlüpft, fertig. Nahezu.
Gegen sieben Uhr gibt es dann Frühstück. Gallo Pinto.
Was auch sonst. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber es geht.
Dann Zähneputzen und warten bis der Schulbus kommt.
Wenn dieser kommt, einsteigen, hinsetzen und wie alle anderen auch, ein wenig Musik hören und vorbereiten.
Rausgehüpft, ins kleine Schulgebäude rein, zu den anderen gesellen.

Dann kommt ein für mich weniger interessanter Part: das Morgensgebet.
Der Vertreter der Kirche an unserer Schule hält einen kleinen Vortrag über christliche Werte, wobei er immer gerne eine Formulierung benutzt, die ich persönlich interessant finde: papito lindo (= süßer Vater/Papa). Über die Formulierung lässt sich nicht streiten, ich meine Gott ist für die Leute hier ja alles, trotzdem eine Erwähnung hier hat sie meiner Meinung nach verdient, denn ganz ehrlich denkt mal an einen deutschen Priester:
[Kirchenrede im Gebetsstil vorgelesen]
*räusper*

Oh süßer Papa im Himmel,
bringe uns heute unseren Segen,
unser täglich Brot,
vergib uns unsere Sünden

und so weiter.

… klingt doch ein bisschen komisch, oder?

Oft erscheint noch einmal der Schulleiter, redet viel zu leise und predigt uns nochmal die Werte unserer Schule vor, aber so leise, dass ich mich frage, ob das überhaupt jemand versteht, gut, es hört auch niemand zu.

Drei Schuldoppelstundenblocks folgen, der erste von 8 bis 10 Uhr, danach kommt eine kleine Pause zum Entspannen.
Der zweite von 10:20 bis 12:20 Uhr, danach eine längere Pause zum Essen.
Von 13 bis 15 Uhr ist der letzte Block, in dem man eigentlich noch weniger macht als vorher, nichts bis weniger als nichts.
Ach, vielleicht noch etwas über die Schulfächer.
Es gibt zwei ernstzunehmende Fächer; Mathe und Spanisch, da macht man auch wirklich was, also fast… zumindest könnte man wenigstens was tun… Dann gibt es noch Englisch, das in meiner Klasse egal ist, die einen können kein Englisch, die anderen sind Amerikaner oder lernen woanders und können Englisch. In Französisch könnte auch ich den Unterricht machen und es würde keinen Unterschied machen; Französisch ist hier unter aller Sau.
Es gibt noch drei weitere Fächer, die sich dadurch auszeichnen, dass NICHTS passiert.
Und das nennt sich dann „Schule“…
Danach ist man trotz Nichtstun eigentlich fertig für den Tag. Meine Schwester verpennt meistens den Rest, ich beschäftige mich mit Sachen wie meinem Blog, einkaufen gehen mit der Familie, dies und das tun. Das Problem ist, dass dadurch, dass ich auf einer Privatschule bin, alle lernen. Also in der Schule, nicht aber daheim, d.h. nach der Schule Freunde treffen, die nicht um die Ecke wohnen = Nö.

Zwischen 18 und 23 Uhr gibt es irgendwann Abendessen.
Danach redet man noch kurz miteinander, und legt sich wieder zum Schlafen hin.
Und das Ganze beginnt von vorn…

Bis bald,
Pura vida :*

7 Kommentar(e)

  1. Dagmar

    Olala, was wird das Zuhause geben? Da fehlt dir dann ein Schuljahr.
    Was heißt Privatschule?
    Noch erlebnisreiche 9 Monate!

    • Wolfgang Eller

      Liebe Dagmar,
      bin ganz Deiner Meinung. Bei so einem „Schulsystem“ bzw. bei solch einer Auffassung von schulischem Lernen muss man sich ernsthaft fragen: Hat man dies vorher gewusst und bewusst in Kauf genommen? Hätte man Spanisch nicht intensiver in einem fortschrittlicheren Land mit einem besseren Schulsystem lernen können? Wird der Verlusst eines Schuljahres bewusst in Kauf genommen? Mich haben die aufgezwungenen 2 (verlorenen) Jahre bei der Bundeswehr schon schier zur Verzweiflung gebracht!

      • Kirsten

        Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir! Und /das/ macht ein Austauschschüler – wo immer er ist – mit Sicherheit in einer Form, die ihm in seinem Mutter-/Heimatland nicht möglich gewesen wäre. Ich denke, das klingt auch in den Beiträgen auf diesem Blog an. Die Sprache zu lernen, ist ein sekundäres Ziel für diejenigen, die einen solchen Aufenthalt machen.
        Ein Jahr im Ausland ist meiner Meinung nach mit Sicherheit kein „verlorenes“ Jahr.
        Zugegeben, es ist natürlich schade, dass „Schule“ in CR wohl ziemlich anders gesehen wird – die Erfahrungen von AFS, der Austauschorganisation, legen nahe, dass das im Normalfall keine negativen Folgen auf den Werdegang eines Schülers haben wird.
        Pura Vida!

        • Timo

          Das unterschreibe ich mal so!

          • Kirsten

            Mutter und Sohn ;-)

      • Timo

        Da hat meine Mutter mal wieder völlig recht.
        ich hatte nicht die Zeit um das bisher zu beantworten, das tut mir leid…
        Und meistens kommen Schüler zurück, auch aus Lateinamerikanischen Ländern und sind danach besser in der Schule als vorher.
        Und selbst wenn, ich hätte den „Verlust“ des Jahres in kauf genommen. Es ist eben ein Zweite Welt Land, und nicht eines der Reichsten Länder der Welt, dafür ist es das Land des Friedens, und das schönste der Welt.
        Pura Vida!

    • Timo

      Also Privatschule heißt eigentlich nur dass die Lehrer zum Unterricht erscheinen, in den Öffentlichen ist das wohl oft nicht so, da sie schlecht bezahlt werden, und in der Schule nur genervt werden.
      Danke :)

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