Vorfreude, Erwartung, Spannung

Soso,
noch drei Wochen dann gehts schon los,
raus aus Deutschland, rein ins „Pura Vida“!
…oder so…

So einfach stell‘ ich mir das jetzt doch nicht vor, einfach hinfliegen und schon ist alles super?!
Aber ich fühle mich recht gut vorbereitet, auch, oder vor allem durch die AFS (meine Auslandsaufenthaltsorganisation, übrigens ein geniales Wort für Galgenmännchen) Vorbereitungswochenenden, an denen man sehr sehr viel Interessantes und Wichtiges erfährt BEVOR man in sein Land reist. Mehr über AFS erfährst du hier: AFS-Deutschland.

Alle fragen immer: „Sag mal, freust du dich?“
oder: „Hast du Angst?“
Die einfache Antwort: Beides.
Ja, so ist es. Beides. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, ich hab‘ es zwar schon von einigen anderen Austauschschülern bestätigt bekommen, aber andere behaupten: „Ich freu mich wie ein Honigkuchentico!“

Also ich teile das einfach mal fachmännisch in 3 Typen ein:

  1. Der „Ich-hab-ja-noch-Zeit!“
  2. Der „Oh-Mist-doch-nicht!“
  3. und der „Ach-du-Schande-ich-fliege-ja-morgen!“

Die Zeit zwischen der Anmeldung bis ungefähr 2 Monate vor der Abreise ist die Phase des „Ich-hab-ja-noch-Zeit!“
Während dieser Zeit denkt man wenig über die Sachen nach dass man nur noch 6 oder weniger Monate Zeit hat, und vielleicht wichtige Dinge zu erledigen, oder Leute zu treffen, die man lang nicht mehr gesehen hat, man denkt auch nicht darüber nach, dass man in ein fremdes Land, mit ganz anderen Leuten, in eine ganz neue Situation, in eine, nun ja, „neue Welt“ kommt. Man lebt praktisch normal weiter, was ich auf keinen Fall schlecht finde, weil ich nicht denke, dass man so schnell begreift, was sich bald alles ändert. Man sitzt ganz normal am Esstisch, denkt an Fußball oder den Film, den man gesehen hat, während die Mutter 1001 Tode stirbt, weil sie weiß, dass der/die Kleine/r bald weg ist.

Ungefähr zwei Monate vor Abflug, das Visum liegt auf dem Tisch, bemerkt man als „Hopee“ „ouha, langsam wird’s ernst!“, die Mutter sitzt schon weinend auf ihrem Stuhl, ein Familienfoto in der Hand…
Man beginnt langsam darüber nachzudenken, was man denn eigentlich wirklich tut, oft bekommt man leichte Bammel, ob man etwas Gutes macht, ob man nicht doch daheimbleiben sollte. Andererseits bekommt man auch manchmal Anfälle von ja-man-ich-bin-bald-weg und so gleicht sich das aus.

Ist der Punkt des „Oh-Mist-doch-nicht!“ geschafft, gibt es zwei Typen von Hopees,
den, wie oben erwähnt „Ach-du-Schande-ich-fliege-ja-morgen!“ und den „Morgen-gehts-lohos!“.
Der Letztere ist gut vorbereitet, hat sich schon von sämtlicher Verwandschaft und allen anderen schon 3 Wochen bevor er fliegt verabschiedet, er hat einen genauen Plan, er baut vor Freude Wolkenkratzer, er neigt generell dazu in den ersten zwei Monaten Heimweh zu bekommen, weil er sich sooo viele Gedanken und Vorstellungen gemacht hat, die dann doch alle mehr auf einen oder mehrere Filme zutreffen.
Der Erste hingegen hat auch kurz vor Abflug noch keine Verwandten besucht, geschweige denn daran gedacht, er hat jedoch schon eine Abschiedsfeier geschmissen und nimmt seine engeren Freunde und Eltern zum Flughafen mit, um sich dort zu verabschieden – der Rest kriegt ein: „Ich bin dann mal weg!“ über facebook. Ganz logisch, beide haben keine Bedenken mehr, sie sind gespannter als Schauspieler bei der Verleihung der Oscars, gespannter als der Bogen von Robin Hood usw.

Das alles sind keine Regelbeispiele und muss nicht so passieren, aber es sind die häufigen Fälle, aus meinem Umfeld.

Ein Kommentar von einem Austauschschüler, der 2010 weg war:

Eigentlich habe ich nichts vermisst. Was schön gewesen wäre: ab und zu eine Brezel und ein gutes Brot!

Ich würde sagen, ich bin inzwischen in der letzten Phase angekommen, ich baue schon Hochhäuser vor Freude, aber ich denke mir immer wieder, was mir aus Deutschland fehlen wird.

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